Injektionslipolyse am Doppelkinn
Was ist Injektionslipolyse am Doppelkinn?
Bei der Injektionslipolyse wird ein Wirkstoff in ein umschriebenes Fettdepot unter dem Kinn eingebracht. Er kann die Hülle der Fettzellen in diesem Bereich auflösen, sodass der Zellinhalt frei wird und über den Stoffwechsel abtransportiert wird. Der Abbau erfolgt langsam über mehrere Wochen und geht mit einer deutlichen Schwellungsphase einher.
Für wen geeignet?
- ein umschriebenes Fettdepot unter dem Kinn bei ansonsten normalem Körpergewicht
- gute Elastizität der Haut am Hals
- Fettdepots, die sich durch Ernährung und Bewegung nicht verändern lassen
- Personen, die eine Operation vermeiden möchten und mehrere Sitzungen einplanen können
Vorteile
- ambulante Behandlung ohne Schnitt und ohne Narkose
- gezielte Behandlung eines klar abgegrenzten Areals
- die Behandlung kann in mehreren Schritten dosiert werden
- keine Vollnarkose und kein stationärer Aufenthalt erforderlich
Ablauf
- ärztliche Untersuchung des Areals, Prüfung der Hautelastizität und Abgrenzung anderer Ursachen
- Aufklärung, Fotodokumentation und Einzeichnen des Behandlungsfeldes
- Desinfektion und optional eine oberflächlich betäubende Creme
- Injektion an einem Raster feiner Einstichpunkte innerhalb der Markierung
- Kühlung, Nachbeobachtung und Besprechung der Schwellungsphase
Wie viele Sitzungen?
2–4 Sitzungen, abhängig vom Befund, im Abstand von etwa 6–8 Wochen. weitere Sitzungen nur nach Bedarf und nach ärztlicher Beurteilung.
Nach der Behandlung
- die Schwellung in den ersten Tagen regelmäßig kühlen
- für etwa eine Woche auf intensiven Sport, Sauna und Solarium verzichten
- ausreichend trinken und in den ersten Tagen auf Alkohol verzichten
- blutverdünnende Schmerzmittel nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen
- bei starken Schmerzen, Fieber, Rötung oder Schluckbeschwerden ärztlich vorstellig werden
Wann sieht man Ergebnisse?
Eine Veränderung ist häufig erst nach 4–6 Wochen zu erkennen, wenn die Schwellung abgeklungen ist — das Ergebnis einer Sitzung lässt sich meist nach 8–12 Wochen beurteilen.
Mögliche Risiken und Nebenwirkungen
- ausgeprägte Schwellung im Kinn- und Halsbereich über mehrere Tage
- Druckschmerz und Spannungsgefühl, teils über ein bis zwei Wochen
- Hämatome und Rötung im Behandlungsgebiet
- tastbare Verhärtungen und Knötchen, die über Wochen bestehen können
- vorübergehendes Taubheits- oder Kribbelgefühl
- Reizung eines Nervenastes mit vorübergehend asymmetrischem Lächeln
- Schluckbeschwerden
- selten Infektionen, Wundheilungsstörungen oder Gewebeschäden bei falscher Injektionstiefe
- ungleichmäßiges Ergebnis oder ein Ergebnis, das hinter den Erwartungen zurückbleibt
Zum verwendeten Präparat und seiner Zulassung
Für die Injektionslipolyse werden unterschiedliche Präparate verwendet, deren arzneimittelrechtlicher Status sich unterscheidet. Ob das im Einzelfall eingesetzte Präparat für diese Anwendung zugelassen ist oder außerhalb der Zulassung (off-label) angewendet wird, ist keine Nebensächlichkeit: Bei einer Anwendung außerhalb der Zulassung gelten erweiterte Aufklärungspflichten, die Kosten werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, und die Verantwortung für die Indikationsstellung wiegt schwerer.
Fragen Sie im Beratungsgespräch ausdrücklich danach, welches Präparat verwendet wird und wie sein Zulassungsstatus für diese Anwendung ist. Diese Aufklärung erfolgt vor der Behandlung und wird schriftlich dokumentiert. Ohne diese Information sollten Sie der Behandlung nicht zustimmen.
Keine Behandlung zur Gewichtsabnahme
Die Injektionslipolyse ist kein Verfahren zur Gewichtsreduktion, und sie ist kein Ersatz für Ernährungsumstellung oder Bewegung. Sie ist ausschließlich darauf ausgelegt, ein kleines, klar abgrenzbares Fettdepot zu verkleinern – beim Doppelkinn also die submentale Fettansammlung unterhalb des Kinns.
Die behandelbaren Mengen sind gering. Wer sein Körpergewicht senken möchte, erreicht das mit dieser Behandlung nicht, auch nicht bei wiederholter Anwendung an mehreren Körperstellen. Bei deutlichem Übergewicht ist von einer Injektionslipolyse abzuraten: Das Fettdepot am Kinn ist dann in der Regel Ausdruck der allgemeinen Körperzusammensetzung, und eine punktuelle Behandlung kann daran nichts Wesentliches ändern. Sinnvoll ist das Verfahren am ehesten bei Menschen mit weitgehend stabilem Gewicht, bei denen eine umschriebene Fettansammlung trotz Ernährung und Bewegung bestehen bleibt – häufig eine anlagebedingte Fettverteilung.
Warum die Hautelastizität den Ausschlag gibt
Beim Abbau des Fettdepots verringert sich das Volumen unter der Haut. Damit sich daraus eine glattere Kinn-Hals-Linie ergeben kann, muss sich die Haut an das kleinere Volumen anpassen können. Ist die Elastizität gut, zieht sie sich in der Regel mit zurück.
Ist die Haut dagegen bereits erschlafft, kann sich das Erscheinungsbild nach einer Volumenabnahme auch verschlechtern – die Kontur kann schlaffer wirken als zuvor. Aus diesem Grund ist die Prüfung der Hautelastizität Teil der Untersuchung und nicht eine Formalie. Fällt sie ungünstig aus, ist die Injektionslipolyse nicht das geeignete Verfahren, und andere Wege sollten besprochen werden.
Ebenso wichtig ist die Frage, woraus die Kontur unter dem Kinn überhaupt besteht. Ein voll wirkender Kinn-Hals-Winkel kann auch durch die Stellung des Unterkiefers, durch die Position des Zungenbeins, durch Muskelstränge des Platysma, durch vergrößerte Speicheldrüsen, durch Lymphknoten oder durch eine Schilddrüsenveränderung bedingt sein. Keiner dieser Anteile lässt sich durch eine Fettbehandlung beeinflussen, und einige davon müssen vorher medizinisch abgeklärt werden. Deshalb steht am Anfang eine Untersuchung, nicht der Behandlungstermin. Diese Seite ersetzt sie nicht und stellt keine Diagnose dar.
Die Schwellungsphase gehört zur Behandlung
Anders als bei vielen anderen Injektionsbehandlungen ist die Reaktion des Gewebes hier nicht nur eine Nebenerscheinung, sondern Teil des Vorgangs. Der Wirkstoff löst im Fettgewebe eine lokale Entzündungsreaktion aus, über die der Abbau und der Abtransport erfolgen. Deutliche Schwellung, Spannungsgefühl und Druckschmerz in den ersten Tagen sind daher zu erwarten.
Das Ausmaß ist individuell verschieden und kann sichtbar sein. Für 3–7 Tage sollte damit gerechnet werden, dass der Bereich unter dem Kinn geschwollen ist; Druckempfindlichkeit und tastbare Verhärtungen können darüber hinaus bestehen. Ein Termin unmittelbar vor einem beruflich oder privat wichtigen Anlass ist deshalb ungünstig. Über Beschwerden, die über das erwartete Maß hinausgehen – starke Schmerzen, zunehmende Rötung, Fieber, Schluckbeschwerden oder eine Bewegungsstörung im Mundbereich – sollte umgehend ärztlich informiert werden.
Grenzen des Verfahrens
Wie viel sich erreichen lässt, hängt vom Ausgangsbefund ab, und eine vollständige Beseitigung des Doppelkinns ist nicht das realistische Ziel jeder Behandlung. Die Ergebnisse fallen unterschiedlich aus; bei manchen Personen bleibt die sichtbare Veränderung gering. Bei größeren Fettdepots kann eine chirurgische Absaugung das angemessenere Verfahren sein. Ob die Injektionslipolyse überhaupt in Frage kommt, lässt sich weder über Fotos noch über eine Beschreibung beurteilen, sondern nur durch eine persönliche Untersuchung.
Häufige Fragen
- Nehme ich dadurch ab?
- Nein. Die Injektionslipolyse ist keine Methode zur Gewichtsreduktion. Sie richtet sich ausschließlich an klar umschriebene Fettdepots und beeinflusst weder das Körpergewicht noch die Fettverteilung insgesamt.
- Wie stark ist die Schwellung?
- Die Schwellung ist Teil des Wirkprinzips und kann deutlich ausfallen. Sie hält in der Regel 3–7 Tage an. Ein Termin sollte so gewählt werden, dass dieser Zeitraum eingeplant ist.
- Ist das Ergebnis dauerhaft?
- Nach derzeitiger Annahme werden behandelte Fettzellen abgebaut und nicht ersetzt; belastbare Langzeitdaten für dieses Verfahren sind begrenzt. Die verbliebenen Fettzellen im Umfeld können bei Gewichtszunahme jedoch weiterhin an Volumen zunehmen, sodass sich das Erscheinungsbild wieder verändern kann.
- Was ist der Unterschied zur Fettabsaugung?
- Die Fettabsaugung entfernt Fettgewebe mechanisch in einem Eingriff und kann größere Mengen erfassen. Die Injektionslipolyse arbeitet in mehreren Sitzungen an kleineren Depots. Welches Verfahren in Frage kommt, hängt vom Befund ab und wird ärztlich beurteilt.
- Gibt es Gegenanzeigen?
- Die Behandlung ist unter anderem bei Infektionen im Behandlungsgebiet, bei Gerinnungsstörungen oder unter blutverdünnender Medikation, bei schweren Erkrankungen von Leber, Niere oder Herz, bei Autoimmunerkrankungen, bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff sowie in Schwangerschaft und Stillzeit nicht geeignet. Auch eine Schilddrüsen- oder Lymphknotenvergrößerung als Ursache der Kinnkontur muss vorher ausgeschlossen werden.