PRP für die Haare
Was ist PRP für die Haare?
PRP steht für Platelet Rich Plasma, also thrombozytenreiches Plasma. Es wird aus einer kleinen Menge des eigenen Blutes gewonnen und enthält eine erhöhte Konzentration an Wachstumsfaktoren. Diese können die Durchblutung der Kopfhaut und die Regeneration der Haarfollikel unterstützen.
Für wen geeignet?
- diffuser Haarausfall
- androgenetische Alopezie in frühen bis mittleren Stadien
- dünner werdendes Haar
- unterstützend nach einer Haartransplantation
Vorteile
- Es wird ausschließlich körpereigenes Blut verwendet, keine Fremdstoffe
- ambulante Behandlung ohne Narkose
- kaum Ausfallzeit
- gut mit anderen Verfahren kombinierbar
Ablauf
- Blutentnahme aus der Armvene, etwa 10–20 ml
- Aufbereitung des Blutes in der Zentrifuge zur Gewinnung des Plasmas
- Desinfektion der Kopfhaut und optionale Oberflächenanästhesie
- Injektion des Plasmas in die betroffenen Areale der Kopfhaut
Wie viele Sitzungen?
3–4 Sitzungen, im Abstand von etwa 4 Wochen. anschließend Auffrischung alle 6–12 Monate.
Nach der Behandlung
- die Haare in den ersten 24 Stunden nicht waschen
- Sauna und Solarium für 48 Stunden meiden
- am Behandlungstag auf intensiven Sport verzichten
- blutverdünnende Schmerzmittel nur nach Rücksprache einnehmen
Wann sieht man Ergebnisse?
Erste Veränderungen zeigen sich in der Regel nach 6–8 Wochen — das bestmögliche Ergebnis wird meist nach 3–6 Monaten beurteilt.
Mögliche Risiken und Nebenwirkungen
- vorübergehende Rötung der Kopfhaut
- Schwellung und Druckgefühl für ein bis zwei Tage
- kleine Hämatome an den Einstichstellen
- sehr selten Infektionen an der Injektionsstelle
- ein Ansprechen auf die Behandlung kann nicht bei allen Patientinnen und Patienten erwartet werden
Warum PRP bei Haarausfall eingesetzt wird
Haare wachsen nicht kontinuierlich, sondern in Zyklen. Auf eine mehrjährige Wachstumsphase (Anagenphase) folgen eine kurze Übergangsphase und eine Ruhephase, an deren Ende das Haar ausfällt und der Follikel ein neues Haar bildet. Bei vielen Formen von Haarausfall verschiebt sich dieses Verhältnis: Die Wachstumsphase wird kürzer, die neu gebildeten Haare werden feiner, kürzer und heller. Fachlich spricht man von einer Miniaturisierung des Follikels. Der Haarfollikel ist dabei zunächst noch vorhanden – er arbeitet nur zunehmend schwächer.
Genau an diesem Punkt setzt die Überlegung hinter PRP an. Thrombozyten, also Blutplättchen, sind nicht nur für die Blutgerinnung zuständig. Sie speichern eine Reihe von Signalstoffen, die sogenannten Wachstumsfaktoren, darunter PDGF, VEGF und TGF-β. Diese Eiweiße steuern im Körper Reparatur- und Regenerationsvorgänge: Sie können die Bildung feiner Blutgefäße anregen, die Zellteilung in der Umgebung beeinflussen und Entzündungsprozesse modulieren. Wird thrombozytenreiches Plasma in die Kopfhaut eingebracht, gelangen diese Faktoren in unmittelbare Nähe der Haarwurzeln. Die Annahme ist, dass sich dadurch die Durchblutung im Bereich der Follikel und deren Versorgungslage verbessern kann und mehr Follikel in der aktiven Wachstumsphase gehalten werden.
Wichtig ist die Einordnung: PRP ist ein unterstützendes, kein ursächliches Verfahren. Es verändert nicht die Gründe, aus denen der Haarausfall entstanden ist. Bei der androgenetischen Alopezie – dem anlagebedingten, erblich mitbestimmten Haarausfall – reagieren die Haarfollikel empfindlich auf Dihydrotestosteron, ein Abbauprodukt des männlichen Geschlechtshormons Testosteron. Diese genetisch angelegte Empfindlichkeit bleibt bestehen, auch wenn PRP durchgeführt wird. PRP kann in dieser Situation allenfalls die Bedingungen für die noch aktiven Follikel verbessern; der zugrunde liegende Prozess läuft weiter.
Wie sich PRP von Minoxidil und Finasterid unterscheidet
Minoxidil wird äußerlich als Lösung oder Schaum auf die Kopfhaut aufgetragen. Es wirkt gefäßerweiternd und kann die Wachstumsphase der Haare verlängern. Finasterid ist ein verschreibungspflichtiges Medikament, das in Tablettenform eingenommen wird und die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron hemmt. Beide Substanzen sind Arzneimittel mit eigenen Anwendungsgebieten, Gegenanzeigen und möglichen Nebenwirkungen, über die gesondert aufgeklärt werden muss.
Der Unterschied liegt weniger in der Wirksamkeit als im Ansatz. Minoxidil und Finasterid greifen pharmakologisch in den Haarzyklus beziehungsweise in den Hormonstoffwechsel ein und müssen dauerhaft angewendet werden. PRP arbeitet mit körpereigenem Material und wird in einzelnen Sitzungen durchgeführt. Die Verfahren schließen einander nicht aus – in der Praxis werden sie häufig kombiniert, weil sie an unterschiedlichen Stellen ansetzen. Ob eine Kombination sinnvoll ist und welche Bestandteile sie umfassen sollte, lässt sich nur individuell und nach ärztlicher Beurteilung entscheiden.
Warum die Diagnose vor der Behandlung steht
Haarausfall ist ein Symptom, keine Diagnose. Hinter dünner werdendem Haar können sehr unterschiedliche Ursachen stehen: eine anlagebedingte Alopezie, ein diffuser Haarausfall nach Infekten, Operationen oder Entbindung, eine Schilddrüsenfunktionsstörung, ein Eisen-, Zink- oder Vitamin-D-Mangel, eine Autoimmunerkrankung wie die kreisrunde Haarausfall-Form (Alopecia areata), eine vernarbende Kopfhauterkrankung oder Nebenwirkungen von Medikamenten.
Diese Ursachen erfordern unterschiedliche Konsequenzen. Ein Eisenmangel wird substituiert, eine Schilddrüsenstörung behandelt, eine entzündliche Kopfhauterkrankung braucht eine gezielte Therapie – in solchen Fällen wäre eine Injektionsbehandlung ohne vorherige Abklärung der falsche erste Schritt. Vor einer PRP-Behandlung gehören daher eine ärztliche Anamnese, die Untersuchung der Kopfhaut, in vielen Fällen eine Haarwurzeluntersuchung und je nach Befund eine Blutuntersuchung dazu. Die Informationen auf dieser Seite ersetzen dieses Gespräch ausdrücklich nicht und stellen keine Diagnose dar.
Auch die Erwartungshaltung gehört in dieses Gespräch. Realistisch ist das Ziel, vorhandenes Haar zu stabilisieren, die Haarqualität zu unterstützen und den Verlauf günstig zu beeinflussen. Wie stark ein Ansprechen ausfällt, ist von Person zu Person verschieden und lässt sich im Voraus nicht vorhersagen. Es gibt Patientinnen und Patienten, bei denen keine sichtbare Veränderung eintritt.
Was PRP nicht leisten kann
PRP kann keine Haarfollikel zurückbringen, die bereits vollständig zugrunde gegangen sind. Wo der Follikel vernarbt ist – etwa bei vernarbenden Alopezien oder in seit vielen Jahren kahlen Arealen – ist die Struktur, an der Wachstumsfaktoren ansetzen könnten, nicht mehr vorhanden. Auf solchen Flächen ist von einer PRP-Behandlung kein Haarwachstum zu erwarten.
Bei fortgeschrittenem Haarverlust mit großflächig lichten Zonen ersetzt PRP keine Haartransplantation. Wenn im betroffenen Areal keine aktiven Follikel mehr angelegt sind, kann nur die Verpflanzung eigener Haare Dichte an dieser Stelle herstellen. PRP wird in solchen Fällen eher begleitend eingesetzt, etwa zur Unterstützung der umgebenden Kopfhaut oder nach einer Transplantation.
Und schließlich ist der Effekt nicht dauerhaft. PRP hält den zugrunde liegenden Haarausfall nicht auf. Wird die Behandlung nach der Erstserie nicht mit Auffrischungen fortgeführt, lässt ein erreichter Effekt in der Regel wieder nach. Wer PRP in Betracht zieht, sollte es deshalb als eine über Jahre angelegte Begleitmaßnahme verstehen und nicht als einmalige Lösung.
Häufige Fragen
- Tut die Behandlung weh?
- Die Injektionen werden meist als kurzes Piksen empfunden. Auf Wunsch kann die Kopfhaut vorher oberflächlich betäubt werden.
- Kann ich danach arbeiten gehen?
- In der Regel ja. Die Kopfhaut kann für einige Stunden gerötet sein, eine Ausfallzeit ist normalerweise nicht erforderlich.
- Wie lange hält das Ergebnis?
- Das hängt von der Ursache des Haarausfalls ab. Um das Ergebnis zu halten, sind in der Regel Auffrischungen alle 6–12 Monate sinnvoll.
- Darf ich danach Sport machen?
- Am Behandlungstag sollte auf intensiven Sport verzichtet werden, ab dem Folgetag ist er in der Regel wieder möglich.
- Gibt es Gegenanzeigen?
- PRP ist unter anderem bei Blutgerinnungsstörungen, bestimmten Bluterkrankungen, akuten Infektionen sowie in Schwangerschaft und Stillzeit nicht geeignet. Das wird im Beratungsgespräch geklärt.